Tansania -Austausch

Schüleraustausch Chang’ombe – Farmsen: Reise nach Dar es Salaam

Unsere Reise nach Dar es Salaam, Tansania im Rahmen unseres Austausches brachte uns viele neue Erfahrungen, eine Menge Spaß und viele neue Freunde. Während der Reise bekamen wir viel von der Stadt Dar es Salaam, der Chang’ombe Secondary School, dem Leben in einer Gastfamilie und der Stadt Bagamoyo mit. Wir verbrachten unsere Zeit mit freund-schaftlichen Gesprächen und viel Gelächter, widmeten uns aber auch dem inhaltlichen Thema Postkolonialismus. Wir waren alle sehr beeindruckt von der Gastfreundschaft, mit der man uns begegnet ist und sind uns sicher, einen soliden Grundstein für unsere Partnerschaft gelegt zu haben.
Der viel zu frühe Abschied von unseren Austauschpartnern in Deutschland beglich sich leider erst nach ein paar langen Monaten. Doch dann war es endlich Zeit für uns Schüler vom Gymnasium Farmsen, nach Tansania zu reisen und unseren Partnern endlich wieder zu begegnen.
Nach einer langen und ermüdenden Reise kamen wir endlich am Sonntag, den 23.09. in Dar es Salaam an, wo uns überraschenderweise noch um zwei Uhr nachts unsere Gastgeber in zahlreicher Form empfingen. Im Hotel angekommen schliefen wir dann endlich, aber mit warmen Willkommensgefühlen ein.
Am nächsten Tag schon erwartete uns eine Stadtführung durch Dar es Salaam, bei der wir viel über die Geschichte der Infrastruktur von Dar es Salaam dazu- lernten. Verschiedenste koloniale Spuren boten auch schon eine erste Grundlage zu inhaltlichen Austauschen und ersten Diskussionen.
In der Schule erwartete uns bereits mit Chorgesang der „German-Club“: eine Gruppe von Schülern, die Deutsch als Schulfach gewählt haben und ein Teil von ihnen bereits zuvor bei dem sogenannten Pasch-Programm teilgenommen hatten. Sie hatten sich auch schon mit dem Thema „Postkoloniale Erinnerungskulturen“ befasst (Themen wie Entschädigungszahlungen für die Kolonialzeit, Umbenennung von Straßen oder die Rückgabe von afrikanischen Kulturgütern), mit denen wir uns mit unseren Partnern auch schon in Hamburg beschäftigt hatten und die auch bei unserer gemeinsamen Arbeit in Dar es Salaam wieder die zentrale Rolle spielten.
Des Weiteren besuchten wir das National Museum, verschiedene Klassen an der Chang’ombe Secondary School und sogar die Universität auf dem Schulgelände. Wir verbrachten sehr viel Zeit miteinander, tauschten uns ständig über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen unseren Leben in Deutschland und Tansania aus. Wir bemerkten schnell, dass wir überwiegend ähnliche Ansichten zu der Aufarbeitung der Kolonialgeschichte hatten. Zusammen absolvierten wir wunderbare Gruppenarbeit und gestalteten eine kreative Ausstellung zum Thema „Post-Colonial Memory Cultures“.
Dann war der Tag gekommen: Endlich durften wir in die Gastfamilien! Nach dem Essen in einem netten Restaurant fuhren alle mit ihren Partnern nach Hause und durften erst mal Familie, Freunde und Unterkunft kennenlernen. Auch am Sonntag verbrachten wir den ganzen Tag mit unseren Gastfamilien, lernten die Stadt Dar es Salaam aber vor allem unsere Gastfamilien noch näher kennen.
Bagamoyo, die ehemalige Hauptstadt der damaligen Kolonie „Deutsch-Ostafrikas“ ist für ihre historischen Sehenswürdigkeiten bekannt und war auch deswegen als gemeinsames Reiseziel für unsere Gruppe geplant. Mit einem Guide lernten wir über das Wochenende viel über Bagamoyos Sklavengeschichte und Geschichte während der deutschen Kolonialherrschaft kennen.
Als nächster Programmpunkt stand dann ein Seminar mit der tansanischen NRO „Tanzania Youth Coalition“ (TYC) an, bei dem wir gemeinsam mit unseren Partnern und dem German Club weiter an der Gestaltung der Partnerschaft zwischen unseren Schulen und der Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte arbeiteten.
Ein weiterer Höhepunkt unserer Reise war der „Culture Day“, bei dem wir alle bei der ehemaligen Schulleiterin eingeladen waren und zusammen Essen zubereiteten, Präsentationen hielten und Spiele spielten.
Während der Reise setzten wir uns immer wieder mit dem Thema Postkolonialismus auseinander. Dieses war genau wie auch schon während der Reise unserer Partner nach Hamburg das Projektthema unseres Schüleraustausches. Dazu kam es sehr gelegen, dass Dr. Masebo, ein Professor an der Universität Dar es Salaam für uns Zeit hatte und uns einen sehr beeindruckenden Vortrag zu den Themen hielt, mit denen wir uns zuvor bei unserer Projektarbeit beschäftigt hatten. In seinem Vortrag ging es um Themen wie Straßen, die weiterhin nach Kolonialherren benannt sind, die Rückgabe von Kulturgütern, die während der Kolonialzeit nach Europa entwendeten wurden und die heute in deutschen und europäischen Ausstellungen zu finden sind, aber ihren Ursprung in Tansania und anderen ehemaligen Kolonien haben sowie um die Frage nach Reparationszahlungen aufgrund von Völkermorden und imperialistischem Verhalten.
Am letzten ganzen Tag in Dar es Salaam gab es ein weiteres Highlight: Ein Vertrag, der unsere Schulpartnerschaft nun offiziell festhält, wurde von der Schulleiterin, Rehema M. Mdoe und der Geschichtslehrerin Asteria Alex von der Chang‘ombe Secondary School und von Urte Rasmussen und Imke Stahlmann vom Gymnasium Farmsen unterschrieben. Endlich war es amtlich. Das Gymnasium Farmsen und die Chang‘ombe Secondary School sind nun Partnerschulen (Vertragsdokument in der Galerie). Mittlerweile vier Jahre lang haben die beiden Schulen die Partnerschaft vorbereitet, und die harte Arbeit zahlt sich nun aus.
Klar ist auch, dass auch in Zukunft noch viele Herausforderungen von beiden Schulen gemeistert werden müssen, allerdings denken wir, dass die Basis nun gelegt wurde. Jetzt gilt es, auf dieser aufzubauen und die nächsten Schritte werden schon initiiert.
Ein Antrag für die finanzielle Unter-stützung von ENSA für die nächste “Incoming“-Reise aus Tansania im Juni 2019 wurde gerade bewilligt und die Suche nach Sponsoren und weiterer finanzieller Unterstützung für eine Reise von Teilnehmern aus dem S1-Kurs nach Dar es Salaam im Jahr 2019 hat auch schon begonnen. An der Chang‘ombe Secondary School werden auch nach Sponsoren gesucht.
Unser zwölftägiger Aufenthalt in Dar es Salaam endete langsam, und die Stimmung wurde zunehmend bedrückter. Mitten in der Nacht verabschiedeten wir uns von unseren Freunden am Flughafen. Tränen blieben nicht aus.
Mit neuen Erfahrungen und Erkenntnissen begaben wir uns auf den Rückweg, und wir realisierten langsam, dass unser alltägliches Leben in Deutschland uns wieder einholen würde. Eine neue Sichtweise auf die Welt ist uns näher gekommen, und wir können nun Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Auch die Rollen als Gast und Gastgeber haben wir selber erlebt und gemeistert. Wir haben gelernt, wie wichtig die Kommunikation in unserer Gruppe für das gegenseitige Wohlbefinden ist und noch vieles mehr.
Beschwichtigt wurde unsere Trauer über den Abschied durch das Wissen, dass dieses Jahr der Grundstein für eine Schulpartnerschaft gelegt wurde und über die weiterhin fortschreitende Entwicklung des Projektes. Wir vier als Teilnehmer/-innen haben das Gefühl, dass die Schulpartnerschaft das Ergebnis der Leistung vieler verschiedener Menschen ist. Und deswegen nehmen wir uns die Zeit, um uns nun zu bedanken:
Wir bedanken uns bei ENSA für die tolle Unterstützung. Insbesondere bei Kerstin und Karol, die unsere Seminare geleitet haben und uns über das ganze Jahr unterstützt haben.
Des Weiteren bedanken wir uns bei den Schulgemeinschaften der Chang‘ombe Secondary School und der Kibasila Secondary School, die uns so warm-herzig willkommen hießen.
Auch das Bilinguale Profil an unserer Schule, das Kollegium, so wie die Schülerschaft insgesamt haben wir als sehr motiviert erlebt, die Schulpartnerschaft und den Diskurs über postkoloniale Erinnerungskulturen weiterzuführen.
Außerdem danken wir Urte Rasmussen, die uns als Stellvertreterin der Schule begleitet hat.
Wir danken insbesondere unseren vier Partnerschülern Sylvia, Sabria, Hance, Abdulkareem und deren Familien, die uns als Gäste und Freunde willkommen hießen.
Der größte Dank geht an die initiierenden Kräfte: Imke Stahlmann und Asteria Alex. Der unvorstellbare Aufwand und die Motivation der beiden, dieses Projekt zustande zu bringen, ist wahrscheinlich der Grund, weshalb wir diesen Bericht hier schreiben dürfen.
Das Projekt ist noch sehr jung, jedoch können alle Beteiligten auf dieses Anfangsergebnis stolz sein. Wir bleiben noch aktiv involviert in diese Schulpartnerschaft und arbeiten an der Präsentation unseres Projektes für unsere Schulgemeinschaft, aber auch nach außen hin und freuen uns auf weitere Unterstützer, die dieses Projekt bereichern.

Nia Genadieva, Avesta Khaliqi, Robert Schleßmann und Ida Wippermann

Besuch aus Tansania im Juni

Monatelang waren es nur Blogposts, Kommentare oder WhatsApp-Nachrichten, die uns Kommunikation zu unserer tansanischen Partnerschule ermöglichten. In den wöchentlichen Seminarstunden dann planten wir gemeinsam den Besuch der tansanischen Gäste mit der gesamten Profilgruppe. Am 17. Juni war es endlich so weit: Wir konnten unsere langersehnten Gäste Abdulkarim, Hance, Sabria, Sylvia, Ms. Asteria Alex (Geschichtslehrerin) und Ms. Daina Matem (Schulleiterin) vom Flughafen abholen.
Aufgeregt und angespannt empfingen wir die Gäste am Flughafen. Anfängliche Schüchternheit wurde schnell überwunden und alle verstanden sich auf Anhieb.
Nach nur kurzer Zeit im Hotel und Lüneburg zogen die Gäste in ihre Gastfamilien ein. Kulturelle Unterschiede wurden bemerkt, doch waren sie keine Barriere für ein tadelloses Zusammenleben, stattdessen eher ein interessantes Erlebnis.
Direkt am ersten Tag genossen die Tansanier*innen das typisch norddeutsche Wetter bei einem Besuch der Elbphilharmonie. Die Aussicht von der Plaza war ein interessantes Erlebnis für die Gäste. Den restlichen Tag verbrachten wir schlendernd in der HafenCity.
Danach verbrachte die Gruppe zwei Tage in Lüneburg, um die Stadt zu besichtigen und sich näher kennenzulernen. Salzmuseum, Altstadt und Hafen boten uns zwei erlebnisreiche Tagen und halfen der Gruppe enorm enger zusammenzuwachsen.
Da unser Projektthema „Post-Colonial Memory Cultures“ („Postkoloniale Erinnerungskulturen“) heißt, setzten wir uns nach einigen für die Gäste erholsamen Tagen mit diesem Thema auseinander und bearbeiteten im Ramen des Seminarfachs mit dem ganzen Profil interessante Arbeitsaufträge. Für beide Seiten stellten sich neue, interessante und vor allem unbekannte Fakten bezüglich des Themas heraus. In Gruppen bearbeiteten wir verschiedene Aspekte und den Umgang mit der gemeinsamen Vergangenheit Tansanias und Deutschlands an folgenden Themenpunkten:
– Artefacts (Dt.: Artefakte)
– Colonial Traces in Hamburg (Dt.: Koloniale Spuren in Hamburg)
– Street Names (Dt.: Straßennamen)
– Compensation (Dt.: Kompensation/Reparationen)
Das Resultat unserer Arbeit zu dem Thema ist für alle Interessierten im Studienzentrum des GyFa zu finden. Dort stellen wir viele der erstellten Poster, Fotos und Texte vor.
Kennenlernen und interessante Austausche über Unterschiede im Schulalltag zwischen den Schüler*innen waren auch Teil der Gespräche. Am nächsten Tag wurde mit dem ENSA-Seminarleitungsteam weiter an Postern und Themen wie Diskriminierungssensibilität und der zukünftigen Partnerschaft zwischen dem Gymnasium Farmsen und der Chang’ombe Secondary School gearbeitet. Die bevorstehende Reise unserer kleinen Gruppe nach Daressalam wurde auch thematisiert und in Kooperation wurden sehr vage schon Teile des Ablaufs geplant. Mit noch viel weiterem Blick in die Zukunft wurde mit Hilfe des Schulleiters, Peter Geest, über die mögliche Zukunft einer Schulpartnerschaft diskutiert. Dabei haben wir uns über verschiedene Aspekte der Zukunft Gedanken gemacht, wie die Finanzierung, Reiseplanung für zukünftige Gruppen und die Kommunikationsmittel zwischen den Schulen.
Als Teil der kleinen Gruppe, die die Gäste bei sich zu Hause empfangen haben, können wir abschließend sagen, dass diese Aufgabe mit viel Arbeit und Organisation kommt. Allerdings war es der Aufwand wert und wir blicken nun auf zwei bereichernde Wochen zurück, die uns nicht nur neue Ansichten bezüglich „postkolonialen Erinnerungskulturen“ aufzeigte, sondern noch viel weitreichender sind. Daher sind wir umso gespannter auf unsere Reise nach Daressalam. Alle diese positiven Erfahrungen haben wir gemacht und uns bleibt auch noch im Hinterkopf, wie aufgeregt und auch eingeschüchtert wir waren, bevor die Gäste in Hamburg ankamen.
Nach einer wundervollen Abschlussfeier, bei der tansanische und deutsche Tänze ausgetauscht wurden verabschiedeten wir uns am nächsten Tag am Flughafen.
Die Bildergalerie zum Besuch aus Tansania ist zusätzlich auf der Homepage verfügbar.
Auf eine lange und erfolgreiche Partnerschaft!

Avesta Khaliqi und Robert Schleßmann


Karibu! – Willkommen

In diesem Jahr führte das Gymnasium Farmsen erstmals einen Schüleraustausch mit der Partnerschule Chang’ombe Secondary School in Dar es Salaam, Tansania durch.
Ab dem 18. Juni 2018 waren die Schulleiterin Daina Matemu, die Geschichtslehrerin Asteria Alex sowie vier Schüler*innen der Chang’ombe Secondary School für knapp zwei Wochen am GyFa zu Gast. Inhaltlich ist der Schüleraustausch an die Arbeit im Bilingualen Oberstufenprofil angebunden. So begleiteten die Teilnehmer*innen des Profils unter der Leitung von Imke Stahlmann die Gäste aus Afrika dabei, die Stadt Hamburg kennenzulernen. Geplant waren außerdem die Teilnahme am GyFa-Musical, ein Ausflug nach Lüneburg sowie gemeinsame Projektarbeit zum Thema „Post-Colonial Memory Culture / Postkoloniale Erinnerungskultur“.
Postkoloniale Erinnerungskultur war auch ein Thema bei der jüngsten Reise des deutschen Außenministers Heiko Maas nach Tansania. Dort stattete er unter anderem unserer Partnerschule Chang’ombe Secondary School einen Besuch ab (Fotos).
Informationen zur Tansania-Reise Heiko Maas‘
Link zu einem Video der Deutschen Welle Kiswahili zum Besuch von Heiko Maas
– Der Gegenbesuch wird übrigens im September/Oktober 2018 stattfinden. Dann wird die erste Gruppe mit vier Schüler*innen des Bilingualen Profils nach Tansania reisen.

Fotos: Außenminister Maas zu Besuch in unserer Partnerschule