Brief der ehemaligen Oberstufenkoordinatorin R. Lattermann nach Besuch des „neuen“ GyFa

Lieber Herr Geest!

Ein ganz großes Dankeschön vorweg!

Nach dem Besuch bei Ihnen lassen mich die Gedanken an das „neue Farmsen“ nicht los.

Als ich vor einiger Zeit im Heimatblättchen von der Einweihung eines neuen Gebäudes am/im Gymnasium Farmsen gelesen hatte, hatte ich den Wunsch, das doch gelegentlich einmal anzusehen.

Da ich mich leider nicht mehr allein auf den Weg machen kann, muss ich mich fahren lassen. Dazu hatte jetzt sich meine Nichte, Julia Kirschstein, bereit erklärt.

Ich hatte einzig den Wunsch, einmal an der Schule vorbei zu fahren und von außen das neue Gebäude anzusehen.

Es kam aber ganz anders! So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Schon als wir meinen alten Schulweg durch Neusurenland fuhren, war ich ge­schockt, als ich die gelben Wohnhäuser linker Hand sah. (Bedrängung des Schulgeländes? Überfüllung der Schulen.)

Auch am Bramfelder Weg „wimmelte“ es von Schulgebäuden.

Ich erkannte die Aula, die wir ja so oft benutzt hatten, erst nach zweimaligem Hingucken. Sie ist in Bäume eingepackt.

Links tauchte unerwartet an der grauen Wand der Turnhalle die ehemalige „Kunst am Bau“ auf. Diese hing zu meiner Zeit an der Wand des Klassenge­bäudes vorn und bedeutete den Eingang zum Schulgelände. (Nun habe ich auch den Namen von Ihnen erfahren: Der Swebenläufer.) Schließlich Swebenhöhe – ich hatte den alten Eingang erwartet – und dann dieses große helle Gebäude! „Wie kann man neben Rotklinker diese hellen Klinker verbauen!“

Aber die rote Wand existierte nicht mehr. Der Blick fiel über einen weiten ge­pflasterten Platz zum neuen repräsentativen Eingang zum GYMNASIUM FARM­SEN. Schön! Endlich!

Wir sahen rechts zwei Herren stehen; es zog mich dorthin, in die Richtung, die ich vor vielen Jahren, (mind. 50) jeden Morgen gegangen war. Den Haus­meister erkannte man sofort, neben ihm stand Herr Martin Möller, der mich als ehemalige Lehrerin erkannte. Das machte mir Mut, zu fragen, ob wir uns ein­mal im Gelände umschauen dürften. Kein. Problem! Und ich fragte auch wohl schon nach meinem Gingko.

Was nun für mich begann, war eine Reise in die (meine) Vergangenheit und zugleich das Erlebnis der Zukunft, nicht nur des Geländes und der Bauten der Schule, sondern auch der Formen und der großzügigen Möglichkeiten des Unterrichts. Was hat sich in den letzten Jahren positiv verändert!

(Ich habe ja ein Gymnasium aus dem Nichts aufbauen müssen. Da haben wir uns ganz modern gefühlt, als wir ein Sprachlabor bekamen. Und in jedem Fachraum stand ein Overheadprojektor. Das war doch fortschrittlicher, als ich es von Farmsen her kannte.)

Zunächst gingen wir durch den ehemaligen Schulhof. Die Sitzmauern waren noch da, auch die Ummauerung des kleinen Wasserbeckens, dagegen wa­ren die Pavillons verschwunden. An ihrer Stelle waren dichte Büsche hoch gewachsen., wie ja auch im Hof.

Hier verstand ich schon, warum sich das GyFa „Schule im Grünen“ nennt. Das hatte ja auch schon die große Linde, an der wir am Anfang unseres Rund­gangs vorbeikamen, erklärt.

Die größte Überraschung für mich aber war, dass das rote Klassengebäude linker Hand in voller Länge verschwunden war. Stattdessen begrenzt die weiße Wand des neuen Schulbaus mit den ganz besonders auffälligen Fens­tern den Schulhof. Ubrigens war mir schon aufgefallen, dass die Fens­ter nicht zu öffnen sind. An manchen Fenstern war nämlich von außen ein Sonnenschutz heruntergezogen. Die schmalen, schwarz eingefassten Öffnun­gen zwischen den Fenstern verrieten, dass sie nicht nur als Auflockerung der Fensterfronten dienten, sondern dass sie als Lüftungen der Räume funktionier­ten.

Als wir auf dem Rückweg waren, kamen Sie uns entgegen. Da muss Herr Grieser Sie alarmiert haben!

Und hier möchte ich mich noch einmal sehr herzlich bedanken, dafür, dass Sie sich fast zwei Stunden Zeit genommen, mich durch Ihre neue Schule zu führen. – Ich bin ja nach Farmsen gekommen, als die Fachräume gerade fer­tig gebaut waren und die Einrichtung begann. Ich war für die Biologie insbe­sondere zuständig. Dazu gehörte auch der kleine Innenhof zwischen Biologie und Physik. Den Innenhof benutzten wir für Unterricht im Freien. Dort hatten wir ein Wasserbecken für allerlei Gewächs und Getier. Und ich ließ im „Klostergarten“ von dem Gärtner der Gartenbauabteilung im Bezirksamt Wandsbek den Gingko und gegenüber eine Zeder pflanzen. Ich habe mich sehr gefreut, dass sich der Gingko trotz der Baumaßnahmen so prächtig ent­wickelt hat.

Zum Obergärtner aus Wandsbek muss ich wohl noch hinzufügen, dass er mich einbezogen hatte in die Planungen für die Bepflanzung des Schulgeländes. So kommt es, dass man heute noch an manchen Stellen etwas exotische Pflanzen/Bäume antrifft.

Dass Sie mich nun auch noch durch das neue Schulgebäude geführt ha­ben, war ein besonderes Geschenk für mich.

Ich bin von allem sehr beeindruckt, will es aber nun nicht alles aufzählen. Es ist nicht nur der Bau selbst (der Eingang, die Sichtachsen,die Lichtschächte und die ausgeklügelte Technik), sondern es sind auch die edlen Materialien, die verwendet worden sind, und die neuen Möbel an vielen Stellen. Dabei musste ich wieder feststellen, dass die Stadt Hamburg sehr großzügig Geld für ihre Schulen ausgibt.

Nun muss ich Ihnen noch erzählen, dass mich die Führung durch das neue Gymnasium Farmsen zu Hause noch sehr beschäftigt hat. Mir war ja die Orientierung schwer gefallen. Wo waren die Pausenhalle, wo eigent­lich die Chemieräume und wo mein kleiner Innenhof? Der Gingko war eine wichtige Marke gewesen. Was ist aus dem Keller unter der Biologie geworden, in dem ich ein Photolabor eingerichtet hatte?

Ich habe aber auf meinem iPad die Swebenhöhe gesucht und eine Luft­aufnahme vom GyFa gefunden, die alle Gebäude, die zur Schule gehören, und vor allem die Baustelle des Neubaus zeigt. Darin bin ich nun schon mehr­fach spazieren gegangen und habe einige Orientierungsfragen gelöst. Darin habe ich übrigens auch gesehen, wie das neue Lehrerzimmer eigenartig an den alten Verwaltungsbau angesetzt worden ist. Überhaupt, dass man nicht gleich auch die Verwaltung in das neue Gebäude integriert hat, hat wohl seine Gründe.

Ich fragte mich auch, wohin ich mich wohl wende, wenn ich wieder einmal meine alte Wirkungsstätte besuche – links oder rechts?

Lieber Herr Geest, Sie haben mir eine große Freude gemacht und mich zu vie­len weiteren Fragen und Gedanken angeregt.

Dafür bin ich Ihnen noch einmal dankbar.

Auch Herrn Grieser meinen Dank. Ich habe mich gefreut, wie er sein Gymnasi­um kennt, weil er in die Planungen wohl mit eingespannt war.

Nun wollen Sie sich bald zur „Ruhe setzen“. Dafür wünsche ich Ihnen alles Gute. Sie haben sicher noch viele Pläne.

Ihnen, aber auch dem Gymnasium Farmsen, alle guten Wünsche! Herzliche Grüße

Ihre Reglinde Lattermann